AB 2014 MIT RAKETENANTRIEB

Als erste Postsendung des frischen Jahres haben wir fünfhundert „Letterpress-Bretter“ mit  Neujahrsgrüßen auf den Weg gebracht. Dirk Uhlenbrock entwarf eine Rakete mit klar definierter Mission: Sie möge die Vorzüge bestimmter Stilmittel hinaus in die Welt tragen (Liniengrafik, Blinddruck, üppige Papierstärke, Farbschnitt, …) und außerdem unseren Ehrgeiz visualisieren, den wir auch aus dem Erfolgsjahr 2013 schöpfen. Wir sind nun zu sechst statt zu dritt, die Werkstattfläche konnten wir (ohne umzuziehen) verdoppeln, ebenso die Anzahl tonnenschwerer Apparaturen. Und der Vorsprung durch 60er-Jahre-Technik geht weiter – aber das steht dann in einem separaten prägedruck.org-Beitrag.


Lift-Off – aber nur mit 1,45er Porto.

„Die mit der Goldkante“ Der unbescheidene Farbschnitt profitiert vom großzügigen 1.200 g/qm-Flächengewicht

Dank der klugen „Farbenpolitik“ der Büttenpapierfabrik Gmund konnten wir zur Cotton-Karte farblich passende Briefhüllen aus 250 g/qm-Papier fertigen. Da die Idee mit dem Sonderformat einen Tag vor Weihnachten entstand, war ein Stanzwerkzeug nach Maß vom Dienstleister leider nicht mehr zu bekommen … wie gut, dass unser Nachbar eine Tischlerwerkstatt betreibt, was beim Selbermach-Werkzeugbau enorm hilfreich ist!

Ein fabelhaftes Prägedruck-Packerl

Nachdem uns die schlichte Ankündigung des neuen Letterjazz-Musterkarten-Packs bereits zahllose Nachfragen beschert hat, können wir nun endlich liefern: Wer das Pack in unserem 1-Produkt-Shop bestellt, erhält Inspiration pur; denn wir haben die Karten nicht nur mit gestandenen Illustratoren wie Dirk Uhlenbrock, Laura Serra, Karen Weiland oder Danilo Agutoli erarbeitet, sondern auch auf ausgesuchten Papieren (jeweils in der Infozeile auf der Rückseite genannt) mittels Prägedruck aka Letterpress und anderen Verfahren gedruckt.


Das leckere Stück Letterpress hüllt sich in feinem Gmundpapier, Farbcode 57

„Keep it Simple“ – das Motiv von Dirk Uhlenbrock durchlief allerhand Arbeitsgänge, einschließlich Farbschnitt

Karen Weiland beweist beim Motiv für die Kieler Woche enorme Freude am Detail – wie gemacht für unsere Letterpress-Produktion.

Dieses Lettering von Laura Serra durften wir auf dem feinen Cotton New Grey verewigen. Diese Musterkarte landete vom Letterjazz-Infostand aus (auf der Creative Paper Conference, der Gmund Brand Convention und dem Typo Day Essen) bereits in die Taschen einiger hundert Gestalter und Papierliebhaber.

Danilo Agutoli erfreute uns mit diesem Entwurf, der zusammen mit dem Alster TwinCover 320 g/qm von Geese Papier, unverzüglich in unserem „Dickerchen“ (Heidelberg GT) landete.

Wir freuen uns schon auf die für 2014 geplanten Motive, mit weiteren Druck- und Veredelungstechniken auf spannenden und unkonventionellen Papieren – Bericht folgt.

LETTERPRESS-WEIHNACHTEN KLOPFT AN DIE TÜR

Der Herbstwind weht die Kalenderblätter viel zu rasch fort und langsam nehmen wir einen sanften Druck wahr, denn da ist sie wieder: Die Gestaltungsaufgabe namens »Weihnachtskarte«. Anlass genug, einige Wochen vor der wachsenden kalendarischen Dramatik ein paar hundert freundliche Erinnerungen auf den Weg zu bringen, denn eine Letterpress-Weihnachtskarte ist schließlich kein Digitaldruck-Projekt.


Um die Strenge aus der Botschaft zu nehmen, gibt es noch eine erfreuliche Font-Gabe dazu: Dirk Uhlenbrock versorgt uns mit einem Weihnachtskarten-Font, den wir allen Empfängern unserer heimeligen Postsendung zum Download zur Verfügung stellen. Wer kein Kärtchen im Briefkasten hatte, melde sich bitte bei uns – da geht noch was.

 

EIN SCHLAGLICHT AUF DEN ZEITSTIL

Kein Tag vergeht bei Letterjazz ohne Inspiration von außen. Dieser Tage entstehen so viele stilistisch frische Druckerzeugnisse, dass man der Kreativität und dem Stilbewusstsein unserer Auftraggeber mit ein paar Bildern kaum gerecht wird. Zur graphischen Rezeptur unserer Clientel dürfen wir stets ein wenig Wissen um Papierzutat hier und richtig abgeschmeckte Linienstärken und Laufweiten dort beisteuern.

Strömungen, Stile und Moden gelangen vom Createur aus in unsere Druckmaschinen und wir beobachten dabei, wie manches wieder verschwindet und anderes beständig bleibt. Drei beispielhafte Stil-Langläufer sollen hier kurz skizziert werden.

1. Ressourcenschonende Retro-Kartonsorten …
kommen dank Umweltbewusstsein und aus Freude an erdigen Farben und faseriger Authentizität häufig ins Visier von Gestaltern. Letterjazz-Hausgestalter Dirk Uhlenbrock wählte beim Beispiel im Bild zum „Retrokarton“ auch die passende Druckfarbe.



2. Steampunk-Design

Entwürfe dieser Stilrichtung lassen sich blendend mit unseren gusseisernen, lokomotivenartig schnaufenden Heidelberg-Pressen drucken. Ornamente sind erwünscht, für Minimalismus ist an anderen Tagen noch genug Zeit. Das gezeigte Beispiel bereichert die wacker wachsende Letterjazz-Wedding-Kollektion.

3. Farbschnitt, Duplex und Triplex
Wie bereits hier und dort berichtet, sind auch Schnittkanten kaum mehr sicher vor farblicher Akzentuierung. Inzwischen beauftragen uns auch Druckereien mit Farbschnitt, technisch haben wir die Werkstatt deutlich aufgerüstet um mehr Buntes bewältigen zu können. Designer mit einem Sinn für dezente Effekte entscheiden sich nicht selten für unsere Triplex-Kaschierungen mit farbiger Mittellage. Dabei entstehen einzigartige, und ganz schlicht gesagt einfach schöne Print-Produkte.

 

KURZBLICK 004: LETTERPRESS-KARTE MIT PASSEPARTOUT

Objekt: Visitenkarte für die Fotografin Annika Feuss
Umsetzung: 3/0-farbig Letterpress, auf 2-fachem 300 g/qm-Gmund Cotton linen cream; Der bedruckte Bogen wurde mittels Fassonanleimung gegen einen Bogen mit ausgestanzter Fläche kaschiert. Nach dem Endbeschnitt erhält man eine Karte mit Passepartout; die digitalen Foto-Prints wurden manuell eingesetzt.

Gestaltung: Ulrike Wessel
Produktion: Letterjazz Druck-Atelier

Drei für Zwei: Im Logo entsteht durch das Überdrucken von blau und rot eine dritte Farbe.

Kluge Lösung: Annika kann die Motive ihres Passepartout-Kärtchens von Zeit zu Zeit ändern.

Mehr Platz für Spielsachen

Weder Schreibblockaden noch Faulheit verhindern hier wortreiche Beiträge. Vielmehr handwerkliche und logistisch schweißtreibende Maßnahmen bilden schwarze Löcher, die allerhand Zeit, Tüchtigkeit und Rohertrag vertilgen.

Das freundliche Druck-Atelier hat einige Quadratmeter und 400-V-Steckdosen vom Nachbarbetrieb übernommen. So müssen diverse Gerätschaften jetzt kein Nomadenleben auf Rollen mehr führen, sondern dürfen an einem festen Platz Dienst tun; zwei ergänzende Pressen machen die technische Letterpress-Wundertüte noch ein wenig bunter und eine frische (leider moderne) Schneidtechnik löst die frühere Maschine ab, die mit allerlei Hebern, Kniffen und Hydraulik auf eine Palette gehievt wurde.

Während die A4-Tiegel brav am Schlupf hängen, tritt beim großen knapp drei Tonnen schweren A3-Bruder (nicht im Bild) alt-ägyptische Rolltechnik in Aktion

Da klopft das Herz, wenn frische Spielsachen vorfahren!

Nur Papier

Eine Momentaufnahme

Mit der Briefpost kam am Mittag eine pralle Versandtasche mit einer Beschriftung und Frankierung aus einem fernen Land. Solche Sendungen sind wie eine Wundertüte, jedes mal spannend. Es waren DIN-A4 große Musterblätter von verschiedenen japanischen Takeo-Kartons in herrlichen Farbtönen und opulenten Materialstärken. Ich öffnete den Umschlag, jemand hinter mit stolperte über ein Kabel und stütze sich an mir ab, um nicht zu fallen. Da glitten mir die A4-Muster aus den Händen und fielen auf den schmutzigen Werkstattboden. In Zeitlupe. Blitzartig erreichte mich dieses leicht panische Gefühl – als wäre ein frisch ausgepacktes Mac-Laptop zu Boden gestürzt. Beim Zusammenklauben der Bögen und Aufheben vom Boden wurde mir klar, dass hier nicht viele hundert Euro an Materialwert runtergefallen waren. Es war nur Papier, aber meine Reaktion mache mich nachdenklich. Mit Papier aufmerksam und wertschätzend umzugehen fühlt sich irgendwie richtig an. Man ist sparsam und gebraucht es bewusst. Hochwertiges Papier ergibt also von sich aus Sinn. Niemals wieder möchte ich mit geringwertigem Massenpapier arbeiten.

 

Letterpress zum Schnuppern

Wie schaut das aus, wenn man gelben gegen grauen Karton kaschiert? Wie gut wirkt Letterpress auf Holzpappe und was kann man mit groben Druckrastern so anstellen? Um erkenntnisfördernde Letterpress-Warenproben besser zugänglich zu machen, haben wir begonnen eigene Musterkarten zu drucken.

Viele Druckereien gehen bei der Leistungsschau in eigener Sache den Weg, auf ziemlich schaurige Weise alles an glänzenden und künstlich wirkenden Veredelungen in banal und überfrachtet gestaltete Broschüren zu klatschen, um visuell Sensible nachhaltig zu vergrämen. Nicht selten werden Chilischoten und Chamäleons abgebildet, fast nie wird man von Duftlacken und Glitzereffekten verschont.

Als blutdrucksenkender Gegensatz ist unsere technische Limitierung namens Buchdruck (= Letterpress) dank des gebotenen Minimalismus eine gepflegte Bühne für Typografie, Papier und einen reifen grafischen Stil. Die neuen Letterjazz-Musterkarten sollen künftig dem Betrachter in erster Linie Freude machen und nebenbei über Papier und Gestalter informieren. Zwar sind erst ein halbes Duzend Motive fertig, aber eine Verpackung gibt es natürlich schon:

Gegen Schutzgebühr werden die Packs im Schokoladentafel-Format demnächst den Nachfragenden überreicht.
Musterkarte Nr. 1, gedruckt auf Gmund Cotton Shiny cream 610 g/qm. Weitere sehr bald in diesem Blog.

fühl mal: Kontrast!

Glattes Papier, vierfarbiger Druck, makellose Anmutung – vor 25 Jahren waren das Merkmale von besonders hochwertigen Drucksachen. In der Zwischenzeit erreichten die klügsten Unternehmer der Industrie, dass solche Druckerzeugnisse zu Billigwaren wurden. Man bekommt sie allerorts für Erdnüsse, selbstverständlich vierfarbig plus Lack und gerne in verschwenderischen Mengen.

Erfreulicherweise teilt die Mehrheit der Letterjazz-Kunden unsere Passion für matte, nicht-geglättete Feinstpapiere, die sich in handwerklichem Letterpress-Maßstab mit unzeitgemäßer Maschinentechnik in herzerwärmende Drucksachen verwandeln lassen. Jedoch: Trotz der Material-Rauheit von schönem, authentischen Papier ohne Tech-Beschichtung kann man Spiegelglanz und Modernität durchaus als wirkungsvolle Stilmittel aktivieren – das richtige Rezept vorausgesetzt, um nicht zu sagen: Kontraste.

In der Gestaltung gehört Kontrast zum kleinen Einmaleins der Stilmittel, jedoch geht das bei Printmedien selten über das Grafische hinaus. Doch gerade das Spiel mit Material und Techniken macht manches Produkt erst richtig lebendig. Beispiele:

Recycling-Pappe mit schwarzem Letterpress-Druck – kombiniert mit einer Folienprägung in gebürstetem Metall-Look (Kunde: Modern Life School)

Materialkontrast pur: Hier haben wir Letterpress-Gold auf schwarzem Naturkarton mit einem Vierfarbdruck auf einem hauchdünnen, selbsklebenden, silbernen Material kombiniert (leicht vertieft dank Tellerprägung). (Kunde: helbig Dialogdesign)

Bei diesem Geschäftsbericht (Konzept und Design: heureka!) sitzt ein bedrucktes Blech in einem Ausschnitt der Titelseite; wir durften ein Letterpress-Etikett mit Handnummerierung zum Kontrastprogramm beisteuern, ebenso (nächstes Bild) eine Hülle aus Papier im Graupapp-Look in Nachbarschaft zu den Offset-Inhaltsseiten auf gestrichenem Papier.

Kurzblick 003: Letterpress-Neujahrspost

Objekt: Neujahrskarte im Format 15 x 15 cm
Umsetzung: 2/0-farbig Letterpress (PMS-Farben), auf 900 g/qm-Gmund Cotton Gentleman Blue; präzisionsbedingt wurde die Karte nicht mittels Schneidemaschine auf Endformat gebracht, sondern gestanzt.

Gestaltung: Dirk Uhlenbrock, erste liga – büro für gestaltung
Produktion: Letterjazz Druck-Atelier