Berichte aus der Letterpress-Werkstatt

KURZBLICK 004: LETTERPRESS-KARTE MIT PASSEPARTOUT

Objekt: Visitenkarte für die Fotografin Annika Feuss
Umsetzung: 3/0-farbig Letterpress, auf 2-fachem 300 g/qm-Gmund Cotton linen cream; Der bedruckte Bogen wurde mittels Fassonanleimung gegen einen Bogen mit ausgestanzter Fläche kaschiert. Nach dem Endbeschnitt erhält man eine Karte mit Passepartout; die digitalen Foto-Prints wurden manuell eingesetzt.

Gestaltung: Ulrike Wessel
Produktion: Letterjazz Druck-Atelier

Drei für Zwei: Im Logo entsteht durch das Überdrucken von blau und rot eine dritte Farbe.

Kluge Lösung: Annika kann die Motive ihres Passepartout-Kärtchens von Zeit zu Zeit ändern.

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Mehr Platz für Spielsachen

Weder Schreibblockaden noch Faulheit verhindern hier wortreiche Beiträge. Vielmehr handwerkliche und logistisch schweißtreibende Maßnahmen bilden schwarze Löcher, die allerhand Zeit, Tüchtigkeit und Rohertrag vertilgen.

Das freundliche Druck-Atelier hat einige Quadratmeter und 400-V-Steckdosen vom Nachbarbetrieb übernommen. So müssen diverse Gerätschaften jetzt kein Nomadenleben auf Rollen mehr führen, sondern dürfen an einem festen Platz Dienst tun; zwei ergänzende Pressen machen die technische Letterpress-Wundertüte noch ein wenig bunter und eine frische (leider moderne) Schneidtechnik löst die frühere Maschine ab, die mit allerlei Hebern, Kniffen und Hydraulik auf eine Palette gehievt wurde.

Während die A4-Tiegel brav am Schlupf hängen, tritt beim großen knapp drei Tonnen schweren A3-Bruder (nicht im Bild) alt-ägyptische Rolltechnik in Aktion

Da klopft das Herz, wenn frische Spielsachen vorfahren!

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Nur Papier

Eine Momentaufnahme

Mit der Briefpost kam am Mittag eine pralle Versandtasche mit einer Beschriftung und Frankierung aus einem fernen Land. Solche Sendungen sind wie eine Wundertüte, jedes mal spannend. Es waren DIN-A4 große Musterblätter von verschiedenen japanischen Takeo-Kartons in herrlichen Farbtönen und opulenten Materialstärken. Ich öffnete den Umschlag, jemand hinter mit stolperte über ein Kabel und stütze sich an mir ab, um nicht zu fallen. Da glitten mir die A4-Muster aus den Händen und fielen auf den schmutzigen Werkstattboden. In Zeitlupe. Blitzartig erreichte mich dieses leicht panische Gefühl – als wäre ein frisch ausgepacktes Mac-Laptop zu Boden gestürzt. Beim Zusammenklauben der Bögen und Aufheben vom Boden wurde mir klar, dass hier nicht viele hundert Euro an Materialwert runtergefallen waren. Es war nur Papier, aber meine Reaktion mache mich nachdenklich. Mit Papier aufmerksam und wertschätzend umzugehen fühlt sich irgendwie richtig an. Man ist sparsam und gebraucht es bewusst. Hochwertiges Papier ergibt also von sich aus Sinn. Niemals wieder möchte ich mit geringwertigem Massenpapier arbeiten.

 

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Letterpress zum Schnuppern

Wie schaut das aus, wenn man gelben gegen grauen Karton kaschiert? Wie gut wirkt Letterpress auf Holzpappe und was kann man mit groben Druckrastern so anstellen? Um erkenntnisfördernde Letterpress-Warenproben besser zugänglich zu machen, haben wir begonnen eigene Musterkarten zu drucken.

Viele Druckereien gehen bei der Leistungsschau in eigener Sache den Weg, auf ziemlich schaurige Weise alles an glänzenden und künstlich wirkenden Veredelungen in banal und überfrachtet gestaltete Broschüren zu klatschen, um visuell Sensible nachhaltig zu vergrämen. Nicht selten werden Chilischoten und Chamäleons abgebildet, fast nie wird man von Duftlacken und Glitzereffekten verschont.

Als blutdrucksenkender Gegensatz ist unsere technische Limitierung namens Buchdruck (= Letterpress) dank des gebotenen Minimalismus eine gepflegte Bühne für Typografie, Papier und einen reifen grafischen Stil. Die neuen Letterjazz-Musterkarten sollen künftig dem Betrachter in erster Linie Freude machen und nebenbei über Papier und Gestalter informieren. Zwar sind erst ein halbes Duzend Motive fertig, aber eine Verpackung gibt es natürlich schon:

Gegen Schutzgebühr werden die Packs im Schokoladentafel-Format demnächst den Nachfragenden überreicht.
Musterkarte Nr. 1, gedruckt auf Gmund Cotton Shiny cream 610 g/qm. Weitere sehr bald in diesem Blog.

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fühl mal: Kontrast!

Glattes Papier, vierfarbiger Druck, makellose Anmutung – vor 25 Jahren waren das Merkmale von besonders hochwertigen Drucksachen. In der Zwischenzeit erreichten die klügsten Unternehmer der Industrie, dass solche Druckerzeugnisse zu Billigwaren wurden. Man bekommt sie allerorts für Erdnüsse, selbstverständlich vierfarbig plus Lack und gerne in verschwenderischen Mengen.

Erfreulicherweise teilt die Mehrheit der Letterjazz-Kunden unsere Passion für matte, nicht-geglättete Feinstpapiere, die sich in handwerklichem Letterpress-Maßstab mit unzeitgemäßer Maschinentechnik in herzerwärmende Drucksachen verwandeln lassen. Jedoch: Trotz der Material-Rauheit von schönem, authentischen Papier ohne Tech-Beschichtung kann man Spiegelglanz und Modernität durchaus als wirkungsvolle Stilmittel aktivieren – das richtige Rezept vorausgesetzt, um nicht zu sagen: Kontraste.

In der Gestaltung gehört Kontrast zum kleinen Einmaleins der Stilmittel, jedoch geht das bei Printmedien selten über das Grafische hinaus. Doch gerade das Spiel mit Material und Techniken macht manches Produkt erst richtig lebendig. Beispiele:

Recycling-Pappe mit schwarzem Letterpress-Druck – kombiniert mit einer Folienprägung in gebürstetem Metall-Look (Kunde: Modern Life School)

Materialkontrast pur: Hier haben wir Letterpress-Gold auf schwarzem Naturkarton mit einem Vierfarbdruck auf einem hauchdünnen, selbsklebenden, silbernen Material kombiniert (leicht vertieft dank Tellerprägung). (Kunde: helbig Dialogdesign)

Bei diesem Geschäftsbericht (Konzept und Design: heureka!) sitzt ein bedrucktes Blech in einem Ausschnitt der Titelseite; wir durften ein Letterpress-Etikett mit Handnummerierung zum Kontrastprogramm beisteuern, ebenso (nächstes Bild) eine Hülle aus Papier im Graupapp-Look in Nachbarschaft zu den Offset-Inhaltsseiten auf gestrichenem Papier.

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